Wasser
"In frühen Studienjahren arbeitet Antje Seemann an Flächenstrukturen, die zunächst jegliche Gegenständlichkeit leugnen und eher an kalligrafische Skizzen erinnern. Dann entstehen großformatige Ölbilder und panoramaartige Linolschnitte, die eindeutig mit der Assoziation von Wasserflächen spielen. Im Jahr 2003 stellt sie diese Wasserflächen in der Aachener Kirche St. Peter unter dem Titel "Es wimmle das Wasser von lebendigem Getier" aus. […]Parallel zur Arbeit an den "Inszenierten Landschaften" widmet sich Seemann ab 2005 auch wieder dem Thema Wasser – in Öl. Diesmal entstehen konzentrierte Bündelungen von Kraft. Die Flächenstruktur wird uninteressant. Die gesamte Macht einer Welle scheint schier das Format zu sprengen."
Britta Dünnes, "Zur Künstlerin und ihrem Werk", 2007
"Den frühen Studien von Flächenstrukturen sind seit 1998 "Seestücke", "Wellen", Wasser-Darstellungen gefolgt: der Schnitt in die nachgiebige Materie des Linoleums beugt sich leicht zu Kurvenbündeln, die Wasserwirbel suggerieren. Er erzeugt keine Abbilder, sondern Bilder von Energien, die dem Wasser eigen sind – ozeanische Energien, die die Künstlerin gezähmt, formalisiert, mit kühlem Abstand äußert. Ihr "Meisterstück" in dieser Gruppe ist eine Platte von 828 cm Länge, deren Abdruck wie ein chinesisches Landschaftsbild Stück um Stück aufgerollt gelesen werden könnte."
Wolfgang Becker, "atmen, keimen, wachsen", 2005
"In gleicher Weise wirken die Larven genannten Schwimmobjekte auf dem Kanal. Die Plastiken sind zunächst nichts weiter als spiralförmige. leuchtend grün gefärbte Flächen, die in den Lichtreflexen der Wellen kaum bemerkt werden. Entdeckt man sie, dann wird man gewahr, dass so etwas wie die Mückenlarvenschwärme in den Randzonen eines Gewässers, knapp unter der Oberfläche schwebend, als Bildvorbild gedient haben mögen.[…]
Zugleich lenken die Schwimmscheiben den Blick auf die Lichtreflexe der Wasseroberfläche: die an sich flüchtigen Erscheinungen werden in den Plastiken quasi eingefroren – hier tritt ein impressionistischer Aspekt zum Werk Seemanns hinzu: wie in Max Liebermanns Gemälden zeigen sich Lichtflecken, die die Farbverwandlungen der Gegenstandsfarben im Licht spiegeln."
Willy Athenstädt, "Kunstsaaten", 2001
